Mots pliés et dépliés

Die ozeanische Nacht ruft.

Mai 2022

Ich kann nicht mehr schlafen. Ich stehe auf. Ich mache mich frisch, rasiere mich.
Und gehe aus dem Haus. Raus in die Nacht hinein. Zum Strand gehe ich.
Der Wind trägt milde Wärme vor sich hin. Das Meer singt sein monotones schönes Lied.
Für Mich und für Dich.
Die Nacht ist von hellem blauem Luft bekleidet. Das Wasser schwer wie dunkle blaue Tinte.
Der Mond in voller Pracht, lässt den Wellenschaum silbrig leuchten. Der Planet lächelt mich an, so rund und blond. Ich suche den Mann auf dem Mond. Sein grimmiges Gesicht. Nichts davon.
Nur strahlendes friedliches Licht!
Ein Fisch grüßt mich, ganz Höflich. Ich grüße zurück. Er grüßt seht akribisch.
Acht mal, genau gezählt. Mit Hut und Stock. Es ist ein Tintenfisch.
Er hat für Kugelschreiberträger und Bleistiftschmierer nur Spott übrig.
Ich finde: er geht dabei sehr hart ins Gericht.
Am Strand Entlang bis zum Hafen flaniere ich.
Am Deck eines Fischkutters spielt ein Albatros mit zwölf jungen Fischern, Poker.
Mit Zigarette im Schnabel sitzt er da und zockt, Spitzbubig.
Und so verlieren die Matrosen alles, bis auf die Unterhosen.
Der große Vogel gibt, aber, alles zurück. Er ist ein Fürst, ein Prinz der Lüfte.
Am Ende des Kais steht das Café du Phare. Es wird langsam hell. Die Nacht begibt zum Schlafengehen. Und entledigt sich ihres blauen Seidenkleides.
Für einen kurzen Augenblick steht sie nackt vor mir. Mit zwei ungleichen Brüsten. Der Mond und die Sonne.
Auf der Terrasse des Bistros trinke ich dunklen schweren Kaffee und beiße mit Freude in einem Butterroissant.
Ich werfe ein Auge auf die Zeitung. Alles wie immer. Nur Trauer, Stiche und Hiebe. Wo bleibt die Liebe?
Die Stadt wacht auf, Zeit nach hause zu gehen. Durch die Hauptstraße gehe ich.
Beim Metzger Henri Rosendahl zählt Boléro, der Hund des Ladens die Würstchen.
Der Herr des Hauses wundert sich jedes Mal aufs neue, dass Welche fehlen.
In der kleinen Bäckerei, Pierre Fournon, hole ich frisches Baguette und vier Croissants.
Vor der Tür stehen der junge Bäckergeselle und die frische Brotverkäuferin.
So ein wenig zu viel unschuldig, mit Mehl im Gesicht.
Ich mache Halt bei Lucien am Zeitungskiosk. Wir trinken Kaffee aus der Thermosflasche und verputzen die vier butterigen Croissants. Wir reden über Gott und die Welt. Meistens über einer Welt ohne Gott. Auf einer Postkarte schreibe ich ein paar belanglose Sätze. Lucien wird sie wohl weiter verkaufen an irgendwelchem Tourist. Für ein wenig mehr Geld.
Es ist Zeit weiter zu gehen. Beim kleinen Supermarkt Orient.X.Press kaufe ich Feigen, frischen Scharfskäse und Honig. Und trinke einen Pfefferminztee,

Zu Hause angekommen koche ich starken Kaffee. Ich hole Feder und Tinte. Beim Frühstück schreibe ich. Ein Paar Zeilen. Ich denke an Dich.
Neue Tage werden kommen, geflutet vom Sonnenlicht.
Neue Nächte werden kommen , für Dich und Mich.
Der süße Ruf der Nacht, der ozeanischen Nacht,