Eine Tür geht auf, eine Tür geht zu. Ein leises Klicken, ein Mal, zwei Mal.
Und dazwischen, Vater? Ein leichter Wind läuft den Flur entlang, vorbei an den dunklen gemusterten Tapeten. Eine leichte Brise hat sich bis in mein Kinderzimmer gemogelt.
Und danach, Vater? Mutter hat geweint, viel geweint. Allein, zuerst im Schlafzimmer und dann in der Küche. Mutter hat geweint, eine ganzes Spülbecken voll. Und ich, wie gelähmt, habe den Himmel betrachtet... Einen blassen blauen Himmel, von wunderschönen dunklen Wolken umkränzt.
Und wie ging es weiter, Vater? Mutter hat ihre Tränen fortgewischt. Mutter wischt unheimlich viel. Mutter schimpft ein wenig, leise, mit mir. Ich bringe wohl zu viel Sand ins Haus, und zu viel Meeresgetier und Algen stecke ich scheinbar in meine Taschen. Eine leichte Brise streichelt meine Haare und kämmt sie, bis sie wirr werden. Mutter macht die Fenster zu und wischt und schimpft dabei leise.
Und warum, Vater? Du hattest sie gehört. Du hast es mir erzählt. Du hattest die schönen Lieder der sanften Meeresfrauen gehört. Und sie singen am Tisch für ihren mächtigen Vater, unten auf dem Meeresgrund. Und aus Algen spinnen sie wunderschöne Kleider für ihre zukünftigen Männer.
Was ist passiert, Vater? Eine von ihnen hat dich geholt, Vater. Ein bisschen traurig warst du schon, aber trotzdem auch unheimlich froh. Denn du bist jetzt ein Prinz, dort unten, am Tisch des mächtigen Meereskönigs. Ein Albatros hat mir alles erzählt. Er war zufällig dabei, als die Wellen dein Schiff zermalmten. Auch hat er gesehen, wie die Meeresfrau dich geküsst hat.
Und was ist mit den Anderen, Vater? Die anderen Fischer, sie stehen (mehr oder weniger) in den Hafenkneipen. Das schwere Bier schlägt Wellen in ihren Mägen und davon müssen viele von ihnen rülpsen. Und während sie dort stehen, versuchen sie das sanfte Lied in ihren Ohren zu ersticken. Einige, ganz verärgert, stampfen mit ihren schweren Beinen in den schweren Stiefeln auf den Boden. Es bringt aber nichts...
Und jetzt, Vater? Dich sehen, am Tisch, auf dem Meeresgrund, wunderbar mit dem Algengrün bekleidet. Und sie singt für dich, die Meeresfrau, und ihr küsst euch in einer unendlichen Umarmung.